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Formel 1

Noch nie wurde im Rennsport so viel umgesetzt,
und so wenig geboten.
 

Worum es geht

Auch im Grand Prix-Sport gibt es gute und schlechte Jahrgänge. Der letzte gute liegt aber schon eine Weile zurück. Beispielsweise die Saison 1974.














Für Pedanten - die Sieger des Jahres 1974:

Emerson Fittipaldi, McLaren, 3x
Denis Hulme, McLaren, 1x
Niki Lauda, Ferrari, 2x
Clay Regazzoni, Ferrari, 1x
Jody Scheckter, Tyrrell, 2x
Carlos Reutemann, Brabham, 3x
Ronnie Peterson, Lotus, 3x

Weltmeister wurde der Brasilianer Fittpaldi.

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Formel 1  -
das kostspielige Fragezeichen

Nur mal zum Vergleich: Die 15 Formel 1 Grand Prix des Jahres 1974 wurden von sieben Fahrern auf fünf Marken gewonnen; darunter waren drei Ferrari-Siege und vier für McLaren.

Aneinander vorbei fahren

Während dieser Rennen wurden sogenannte Überholvorgänge durchgeführt. Eine Sache, die man den jüngeren Lesern aufgrund ihrer historischen Bedeutung kurz umreißen sollte:

Man hielt Automobile für selbstbewegliche Fahrzeuge, die von ihren Piloten auf geschickte Weise zu bewegen waren, nämlich aneinander vorbei. Jedenfalls während eines Autorennens. Während beim Autokorso (bspw. der Fahrerparade vor dem Rennen - gibt's aber nicht mehr) alle säuberlich hintereinander herfuhren.

Bei etwa gleichstarken Fahrer/Fahrzeug- Paarungen ereigneten sich die Aneinandervorbeifahr-Bewegungen in der Anbremszone vor der Kurve oder auch mal mitten in derselben. Also wenn man sich vergleichsweise am langsamsten fortbewegte. Sicher eine seltsame Auslegung des Wettbewerbsgedankens, aber so war's nun mal.

Dem gegenüber provozieren die heutigen F1-Regeln technische Weiterentwicklungungen (Fahrzeugbreite, aerodynamische Verwirbelungen, extrem verkürzte Bremswege usw.), die das Überholen so gut wie vollständig unterbinden. Selbst ein überlegener Rennteilnehmer (ein schnellerer) kommt an einem schwächeren nur dann vorbei, wenn ihn dieser freundlicherweise vorbeiwinkt. Was Bernoldi gegenüber Coulthard in Monaco versäumt hat, nur mal als Beispiel.

Aneinander vorbei stehen

Nun ist aber ein Wechsel in der Reihenfolge, mit der die Autos Runde für Runde an den Tribünen vorbeisausen, durchaus erforderlich. Sonst rutscht auch gut abgekochten Fernsehreportern das Wort "Prozession" aus der Backe. Und das würde dem Rennsport schaden. Deshalb wurde das Aneinandervorbeifahren im Stillstand erfunden.

Dieses ergibt sich aus dem Boxenstopp. Der Stopp dient dem Reifenwechseln und Auftanken und bietet den am Rennen sonst nur mittelbar beteiligten Technikern die Chance kräftig mitzumischen. Mit dem Ergebnis, dass so gut wie alle Überholvorgänge in der Formel Eins zu einem Zeitpunkt geschehen wenn der Konkurrent herumsteht, nämlich länger als man selber, und zwar in den Boxen. Das heißt, man fährt vor ihm aus den Boxen heraus - voila, so geht das!

Der Autor dieser Zeilen versteht vom Autorennsport offenbar gar nichts. Er ist lediglich ein Beobachter der Szene, seit Stirling Moss in einem grün lackierten Vanwall am Nürburgring den Roten aus Maranello nicht den Hauch einer Chance ließ. Das war 1959. Bis am Vanwall das Getriebe aufgab, das tat es in jener Saison öfters.

Manche halten Moss für den besten Fahrer aller Zeiten, trotz Fangio, Senna, Schumacher. Moss schenkte Sternstunden, er holte auch im unterlegenen Auto überraschende Siege gegen die Favoriten heraus. Einander vor der Kurve auszubremsen, war ja auch damals kein Kinderspiel, aber zu allen Zeiten für die Aficionados der einzige Grund sich zu einer Rennstrecke zu bemühen. Und Moss konnte überholen, und wurde überholt, in der Regel ohne dass dabei einer von der Strecke flog.

Das Preis/Leistungsverhältnis

Es gab in der Formel Eins - wie bei den Weinen aus Burgund - solche Jahrgänge und solche. Da gab es Rennsaisons, in denen passierte das Spannende nur im Auge des Betrachters. Der Grand Prix-Sport war etwas für Phantasiebegabte - man dachte sich, was man nicht zu sehen bekam.

An diesem Punkt sind wir offenbar wieder angelangt, nun aber bei einem hundertfachen Einsatz an Material und Personal. Beispielsweise am Nürburgring im Juni 2001 wurde Fans und Fernsehern wieder einmal ein Rennen zugemutet, in dem - außer einer zehnsekündigen Startsequenz - nichts passierte. Absolut nichts, aber dieses sehr intensiv: Zwei Stunden lang fuhren die Autos mit höchster Geschwindigkeit ... hintereinander her.

Noch nie wurde in der Formel Eins so viel umgesetzt wie heute, bei einem permanent abnehmenden Preis/Leistungsverhältnis und die Frage kocht auf, wann der Verbraucher merkt, dass er geleimt wird. Selbst der - kostenlos zuschauende - TV-Kunde wird ja um seine Zeit betrogen: Die Werbung nimmt zu, und das eigentliche Programm, das sogenannte Rennen, ergreift den Betrachter so wie FArbe die an der Wand trocknet. Der Autor dieser Zeilen ist wiederholt mitten in Grand Prix eingeschlafen, kur vor Ende wieder aufgewacht und die gurkten in der selben Reihenfolge um den Parcours wie zuvor.

Für das Marketing ist die Formel Eins eine Fallstudie voller Fragezeichen. Machen die Verbraucher auf die Dauer mit? Denn ohne Fans auf den Tribünen gäbe es die F1 nicht. Rechtfertigt die schnelle Mark den flotten Betrug am Kunden? Sind vom Lärm und der Farbenpracht Alle besoffen? Dann würde Mercedes und BMW ein ziemlich kratzbürstiger Kater ins Haus stehen. Offenbar verlässt man sich auf das kurze Gedächtnis der Leute. Na, wenn das man gut geht.

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